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Top 1 Prozent ChatGPT-Nutzer ist der neue Arbeitswahn

Wer damit angibt, "Top 1% ChatGPT-Nutzer" zu sein, gehört beim Denken vielleicht zu den untersten 1%.

Vor einem halben Jahr ist mir etwas Merkwürdiges an meinem eigenen Verhalten aufgefallen.

Ich habe mein Claude-Abo jeden Tag ausgereizt.

Wenn Claude mich limitiert hat, habe ich Perplexity aufgemacht. Acht Stunden pro Arbeitstag. Zwei Wochen am Stück.

In Wirklichkeit:

  • Ich war erschöpft
  • Mein Urteil fühlte sich vernebelt an
  • Mein Kopf war voll und leer zugleich

Ich hatte mein Denken ausgelagert. Nicht das Tippen. Das Denken.

Irgendwann habe ich mich ertappt: Ich baue beruflich souveräne KI-Systeme. Aber meine eigene Nutzung war überhaupt nicht souverän.

Ich habe KI benutzt wie ein Workaholic seine Stunden:

Mehr Prompts fühlten sich nach Fortschritt an, mehr Ausgaben nach Beweis.

Wenn ich heute auf LinkedIn "Top 1% ChatGPT-Nutzer" lese, erkenne ich das Muster. Es ist das alte Ehrenabzeichen "Ich arbeite 24/7" in neuer Form.

Stunden im Werkzeug ≠ Tiefe des Denkens.Token-Zahl ≠ Klarheit des Urteils.

KI-Power-User zu sein wird zum Warnzeichen, wenn:

  • Du jede Aufgabe im Chatfenster beginnst
  • Du dich ohne das Werkzeug verloren fühlst
  • Du Ergebnisse schneller annimmst, als du sie hinterfragst

Dieser Weg führt zu KI-getriebener Beschäftigungstherapie, zu Entscheidungen, die nach hinten losgehen, und zur langsamen Erosion des eigenen Denkvermögens.

Seitdem läuft mein Prozess anders: erst denken, dann prompten, Pause machen und die Gedanken sacken lassen. Wenn sich mein Urteil während einer Sitzung trübt, ist das mein Signal, für den Rest des Tages aufzuhören.

Aus meiner Sicht besteht die Herausforderung mit KI darin, zu merken, wann sie aufhört, ein Werkzeug zu sein, und zur Krücke wird.

Ist dir dieses Muster bei deiner eigenen KI-Nutzung schon aufgefallen?